meine Bio

Olaf-Axel Burow
* 19.07.1951 Berlin-Charlottenburg

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Da mich das kreative Gestalten in frei gewählten Gruppen häufig stärker interessiert hat, als die Teilnahme an oftmals geisttötendem Gymnasialunterricht verfüge ich über eine interessante Schülerkarriere. Während ich Jugendfreizeiten als Highlights meines zwangsweise verlängerten Schülerdaseins betrachtete, befremdete mich schon früh manches Pädagogenverhalten. Der Wunsch, es besser zu machen und Heranwachsenden einen Raum zur Entfaltung ihres Kreativen Potentials zu geben, führte mich nach dem Abitur zur Aufnahme eines Pädagogikstudiums an der Pädagogischen Hochschule Berlin. Parallel arbeitete ich als Teamer in Ferienlagern und Internationalen Jugendbegegnungsprojekten. Die Verbindung der im Studium gelernten Theorie mit den Erfahrungen, die ich in der Außerschulischen Jugendarbeit machte, erlebte ich als besonders fruchtbar. Sie schärfte auch meinen Blick für die Defizite schulischer und institutionalisierter Bildungsprozesse, die Heranwachsende all zu oft eher behindern als fördern. Zusammen mit KommilitonInnen begann ich während des Studiums nach neuen Wegen "ganzheitlichen Lehren und Lernens" zu suchen, die wir in einer selbstorganisierten Studiengruppe zu erproben suchten. Zwei Wochen fuhren wir in den Frankenwald und diskutierten auf langen Spaziergängen Theorien und Praxismodelle. Hier wuchs auch meine tiefe Skepsis gegen Bildungsmodelle, die auf dem stundenlangen Sitzen in anregungsarmen Klassenräumen beruhen.

Tu nur das, was dich wirklich interessiert!

Nach dem ersten Staatsexamen (1980) für die Sekundarstufe 1 (Deutsch und Pädagogische Psychologie) arbeitete ich an der Christoph-Ruden-Grundschule in Berlin Neukölln. Ich unterrichtete Mathematik, Deutsch und Musik. Aber vor allem organisierte ich, kaum vier Wochen an der Schule, eine spannende Klassenfahrt und konnte erneut erleben, wie anders sich Schüler in freien, nicht-didaktisierten, offenen Räumen bewegen. Zwischenzeitlich erschien eine radikale Kritik des schulischen Lernens, die ich zusammen mit Karlheinz Scherpp unter dem programmatischen Titel "Lernziel: Menschlichkeit" (1981) im Kösel-Verlag veröffentlichte. Hier beschrieben wir aus gestaltpädagogischer Sicht wie ein Lernen und Lehren aussehen könnte, das unseren Vorstellungen entsprach. Nach dem zweiten Staatsexamen, war ich mit einem Einstellungsstopp konfrontiert, der mich erneut eine Einsicht lehrte, die ich auch heute meinen Studierenden zu vermitteln suche: Zentral für den beruflichen und privaten Erfolg ist, dass man diejenigen Themen herausfindet, die einen wirklich interessieren. als meine Versetzung in der siebten Klasse gefährdet war und mir als letzte Chance das Wiederholen einer Chemiearbeit angeboten worden war, hatte ich kurzerhand den Multiple-Choice-Bogen zerknüllt und meiner Lehrerin mit folgenden Worten vor die Füße geworfen: "Ich muss jetzt Gitarre üben. Das ist wichtiger!" Ich wurde nicht versetzt. Doch 18 Jahre später bekam ich genau aus diesem Grund eine Stelle als Musiklehrer. Musiklehrer waren, wie ich wusste, vom Einstellungsstopp ausgenommen. Also ging ich zur Schulrätin und erklärte ihr, dass ich seit 18 Jahren Gitarre spiele und in der Lage wäre, fachfremd Musik zu unterrichten... Ich wurde sofort eingestellt.

Aufarbeitung widersprüchlicher Erfahrungen mit Pädagogik

Die Erfahrungen der Lehrertätigkeit an einer Berliner Gesamtschule war niederschmetternd. In Psychologie Heute (1983, Heft 6) habe ich unter dem Titel "Lernlust statt Schulfrust" beschrieben, warum dieses Modell - so wie es damals durchgeführt wurde - scheitern musste. Wenngleich ich diese Schulerfahrungen nicht missen möchte, so empfand ich es doch zunächst durchaus als Befreiung, als ich 1984 eine Stelle als Mitarbeiter im Fach Psychologie an der Hochschule für Künste Berlin erhielt. Hatte ich doch hier die Gelegenheit, sowohl die Erfahrungen mit meiner schwierigen Schülerkarriere, als auch die Erfahrungen aus über zehn Jahren Jugendbegegnungsarbeit und vier Jahren Schulpraxis aufzuarbeiten. Mir wurde klar, wie schwer es ist, mentale Modelle zu beeinflussen, die aus der eigenen Biographie stammen und die das pädagogische Handeln nachhaltiger als ein wissenschaftliches Studium formen.

Zur Theorie und Praxis der Gestaltpädagogik

Von 1984 bis 1990 nahm ich als Teilnehmer und Teilnehmender Beobachter an einer gestaltpädagogischen Fortbildungsgruppe mit langjährig berufserfahrenen LehrerInnen teil, die nach Auswegen aus beruflichen und privaten Routinen suchten. Ich dokumentierte vierundzwanzig Wochenendworkshops, Intensivwochen, Peergruppentreffen, führte Tiefeninterviews durch und versank in tausenden Seiten von Beobachtungsprotokollen, Texten von narrativen Interviews, Gruppen- und Experteninterviews. Als Ergebnis formulierte ich eine Gestaltpädagogische Theorie der Veränderung Persönlicher Paradigmen, in der ich zeige, in welcher Weise der persönlich akzentuierte Wahrnehmungsfilter von PädagogInnen funktioniert und durch welche Verfahren eine größere Bewusstheit im Umgang mit Wahrnehmungs- und Verhaltensmustern erreicht werden kann. Diese Forschungsarbeit führte zu einer Reihe von Veröffentlichungen zur Gestaltpädagogik.

Vom Hier-und-Jetzt zur Zukunftsmoderation

Als politisch engagierter Student stand ich den individualisierenden Verfahren von Humanistischer Psychologie und Pädagogik skeptisch gegenüber. Andererseits erfuhr ich am eigenen Leib, dass wirkungsvolle Veränderung nur über die Arbeit an den eigenen Wahrnehmungsmustern möglich ist. doch meine Arbeit zeigte auch, dass die Möglichkeiten der persönlichen Veränderung durch die umgebenden institutionellen und sozio-kulturellen Felder begrenzt wird. Zudem sind die Veränderungsspielräume im mittleren Lebensalter eingeschränkt. So begann ich mich mit der Bedeutung von Feldern für die Entfaltung des ungenutzten kreativen Potentials auseinander zusetzen. Die Begegnung mit Robert Jungk, setzte einen neuen Akzent. Ich begann mit Zukunftswerkstätten zu experimentieren, die wie ich heute weiß - "Kreative Felder" erzeugen. Mein Forschungsinteresse verlagerte sich von der Fokussierung auf die einzelne Person auf die Betrachtung der Person in ihrem Umfeld. Dieses Thema stellte ich erstmals in meinem Habilitationsvortrag an der Technischen Universität Berlin im Mai 1992 vor. Ich skizzierte anhand der Entwicklung der Musik der Beatles und der Entwicklung des Apple-PC´s, wie es durchschnittlich begabten Individuen gelingen kann, Überragendes zu leisten, wenn sie ein für sich passendes Feld und entsprechende Synergiepartner finden. Die entscheidende Frage lautete: Kann man solche Felder bewusst schaffen? Wenn man so will, kehrte ich mit dieser Fragestellung , zu den Wurzeln meiner positiven pädagogischen Erfahrungen als Schüler zurück: Erfahrungen, die ich außerhalb des institutionellen Kontextes der Schule, in selbstorganisierten Gruppen gemacht hatte. Diese Gruppen waren so etwas wie selbstgestaltete Kreative Felder.

Kreative Felder

Nach einer Lehrstuhlvertretung und dem Ruf auf eine Hochschuldozentur an der Universität Gießen, erhielt ich 1996 den Ruf auf den Lehrstuhl für Allgemeine Pädagogik den der Universität Kassel. Ich betrachte diesen Lehrstuhl als einen guten Rahmen, um an der Entwicklung einer Theorie Kreativer Felder zu arbeiten, Verfahren der prozessorientierten Zukunftsmoderation weiterzuentwickeln und die Gestaltpädagogik voranzutreiben. Verfahren wie Zukunftswerkstätten, Zukunftskonferenzen und Open Space Technology beruhen auf allgemeinen Feldprinzipien, die uns zeigen können, wie wir die Schwächen formalisierter und institutionalisierter Lehr- und Lernverfahren überwinden können. Solche Prinzipien optimalen Lernens und Kriterien für die optimale Gestaltung von Kreativen Feldern zu finden ist der Kern meiner Lehr- und Forschungsarbeit.